Kategorie 'Zitate'

Wenn Trump vernünftig wird, dann hat er verloren

Samstag, 14. Januar 2017 - 06:18

SPIEGEL: Sie haben gesagt, Ihre größte Angst sei, dass Trumps Mannschaft während ihrer Regierungszeit die Nerven verlieren könnte. Was meinen Sie damit?
Gingrich: Es gibt so vieles, was Trumps Truppe bremsen oder stoppen könnte: die Bürokratie, die Vorschriften, die Lobbyisten, die Journalisten. Das Beharrungsvermögen all dieser Kräfte, die Veränderungen verhindern wollen, wird so stark sein, dass Trumps Regierung womöglich einen Gang herunterschaltet und irgendwenn beschließt, doch vernünftig zu werden. Und wenn er und seine Leute vernünftig werden, dann haben sie verloren.

DER SPIEGEL 3/2017, S. 89, Interview von Gordon Repinski mit Newt Gingrich

Meinungsdissidenten

Samstag, 30. April 2016 - 20:27

Vom AfD-Parteitag in Stuttgart (http://www.br.de/nachrichten/afd-parteitag-bericht-proteste-100.html):

[...] Weniger amüsiert war sie von den heftigen Protesten am Rande des Bundesparteitags der AfD. Sie kommentierte sie mit kämpferischen Worten an die eingesetzten Polizeibeamten gewendet:
Sie schützen uns vor jenen Antifa-Bodentruppen der Konsensparteien, die mit deren Duldung und sogar zuweilen deren Finanzierung gegen uns als Meinungsdissidenten kämpfen.

Frauke Petry, AfD-Chefin

Die Polizei war aber zu sehr mit Angela Merkels Bodentruppen beschäftigt, um die intellektuelle Leistung bewundern zu können, mit der Frauke Petriysi so viele sorgfältig ausgewählte Textbausteine in einem kurzen Satz unterbringen konnte.

Schmäh

Samstag, 16. April 2016 - 18:28

Das Schmähgedicht: http://openjur.de/u/882545.pdf
Mit Schwärzungen wird das erst richtig Kunst.

Und www.schmähgedicht.de gibt es natürlich auch schon. Aber die Gebrauchsanweisung für das Gedicht finden wir hier: https://www.youtube.com/watch?v=4Gx-yZRnuZQ.

Kürzer und mit bisherigen Erdoganbedichtungen vielleicht doch noch nicht ganz erreicht:

“Herr Inspektor, was passiert, wenn ich zu einem Inspektor Trottel sage?”
“Das ist Beamtenbeleidigung!”
“Und was ist, wenn ich zu einem Trottel Herr Inspektor sage?”
“Gar nichts.”
“Auf Wiedersehen, Herr Inspektor.”

Helmut Qualtinger

Auffällige Abweichung

Montag, 28. September 2015 - 22:34

http://www.volkswagen.de/de/volkswagen-aktuell/News.suffix.html/2015~2Fvolkswagen-aktuell.html

23.09.2015 | Unternehmen
Volkswagen aktuell.

Lassen Sie uns eines vorweg stellen:
Das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit ist und bleibt unser wichtigstes Gut! Wir bedauern zutiefst, dass wir Ihr Vertrauen enttäuscht haben und kümmern uns schnellstmöglich um Ihre Belange.

Alle betroffenen Fahrzeuge sind technisch sicher und fahrbereit. Die aktuelle Thematik betrifft ausschließlich die ausgestoßenen Schadstoffe. Das werden wir beheben!

Klar ist: Wir übernehmen die volle Verantwortung und auch die Kosten für die notwendigen Maßnahmen.
Klar ist aber auch, dass das Zeit brauchen wird. Zeit für die Analyse und Zeit, um technische Maßnahmen umzusetzen.

Die aktuell in der Europäischen Union angebotenen Neuwagen mit Dieselantrieb EU 6 aus dem Volkswagen Konzern erfüllen die gesetzlichen Anforderungen und Umweltnormen. Die beanstandete Software beeinflusst weder Fahrverhalten, Verbrauch noch Emissionen. Ausschließlich bei Fahrzeugen des Motortyps EA 189 wurde eine auffällige Abweichung zwischen Prüfstandswerten und realem Fahrbetrieb festgestellt. Volkswagen arbeitet mit Hochdruck daran, diese Abweichungen mit technischen Maßnahmen zu beseitigen.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir aktuell noch keine weiteren detaillierten Angaben darüber machen können, welche Modelle und Baujahre genau betroffen sind. Wir werden Sie so schnell wie möglich wieder informieren.

Wir bei Volkswagen werden alles daran setzen, das Vertrauen, das uns so viele Menschen schenken, vollständig wiederzugewinnen und dafür alles Erforderliche tun, um Schaden abzuwenden.

Und, liebe Leser, wie ist das Lesegefühl?
Der Verfasser dieser Erklärung kann einem fast schon leid tun.

“Die beanstandete Software beeinflusst weder Fahrverhalten, Verbrauch noch Emissionen.” Zu blöd, genau das aber wird von der Software (Firmware) erwartet: Sie müsste Fahrverhalten, Verbrauch und Emissionen so beeinflussen, wie der Gesetzgeber es verlangt und wie es den Käufern versprochen wurde.

Klar ist schon wegen der ISO 26262, dass man die Firmware zu dem Motor nicht mal so eben korrigieren und austauschen kann. “Klar ist aber auch, dass das Zeit brauchen wird.”

Siehe auch: http://www.heise.de/autos/artikel/Der-vorlaeufige-Stand-der-Dinge-in-Sachen-Diesel-Stickoxide-und-Volkswagen-2832601.html

“Unsere Schlacht, Griechenland zu retten” – Interview mit Varoufakis

Dienstag, 14. Juli 2015 - 22:37

http://vineyardsaker.de/analyse/unsere-schlacht-griechenland-zu-retten-interview-mit-varoufakis

[...] es gab schlicht eine völlige Weigerung, wirtschaftlich zu argumentieren. Völlig … Man bringt ein Argument vor, an dem man wirklich gearbeitet hat – um sicher zu sein, dass es logisch schlüssig ist – und dann schaut man in leere Gesichter. Es ist, als hätte man nichts gesagt. Was man sagt ist unabhängig von dem, was sie sagen. Man hätte ebenso gut die schwedische Nationalhymne singen können – das hätte die gleiche Antwort erhalten. Und das ist irritierend, für jemanden, der an akademische Debatten gewöhnt ist… Die andere Seite engagiert sich immer. Nun, da gab es gar kein Engagement. Es war noch nicht einmal beleidigt sein, es war, als hätte niemand etwas gesagt. [...]

Yanis Varoufakis

Der Wissenschaftler Varofakis hat wohl erlebt, dass Gesprächspartner, die auf die reine Macht setzen, es als ein Zeichen von Schwäche empfinden, sich überhaupt mit Argumenten auseinandersetzen zu müssen. Logische Schlüssigkeit ist solchen Menschen lästig.

Im oft vielleicht zu unvorsichtig gelesenen Hagakure gibt es eine Episode, in der sich ein Abt dem Willen eines Samurai beugt. Nachdem der Mönch dem Samurai jedoch danach noch sagt, dass er dessen Gründe verstehe, “sorgt” der Samurai dafür, dass der Mönch sich dem Willen des gut gerüsteten Kämpfers noch zuverlässiger beugt. Ich nehme mal an, dass der Mönch danach also einen Kopf kürzer war. Machtmenschen mögen es wohl nicht so sehr, wenn sich ihre Gegner durch Argumente überzeugen lassen. Sie wollen die bedingungslose Unterwerfung.

Chaotisierung

Samstag, 18. Oktober 2014 - 19:01

Bin heute auf das Wort “Chaotisierung” gestoßen. Ein bisschen spät, aber in den letzten Monaten hatte ich mich von Zeitungen usw. eher ferngehalten. Erstaunlich, wie selten der Begriff verwendet wird. Beschrieben wurde damit zum Beispiel Putins Umgang mit der Ukraine. Ob man mit dem Wort irgendwann auch einmal einen originelleren Umgang mit Putin wird beschreiben können?

It is wise, upon occasion, to introduce true randomness into your actions when opposing an existing order. The problem is that randomness, by definition, cannot be planned. Human emotion, however, is a Random Factor, and thus it may be said that to serve the interests of one’s own endocrine system is to serve Chaos.

“Gregor Markowitz”

George Steiner

Dienstag, 29. April 2014 - 07:45

ZEIT [Nr. 17, 2014-04-16, Iris Radisch]: Was denken Sie, wenn Sie an Ihren eigenen Tod denken?
George Steiner: Dass ich dann keine Einkommensteuererklärung mehr machen muss.

https://www.google.de/search?q=”Dass+ich+dann+keine+Einkommensteuererklärung+mehr+machen+muss” “George Steiner”

Klassenkampf

Mittwoch, 13. Februar 2013 - 21:05

Siehe weiterhin: http://de.wikiquote.org/wiki/Warren_Buffett

Asiatisch aussehender Vizekanzler

Donnerstag, 7. Februar 2013 - 21:52

Jörg-Uwe Hahn (hessische FDP-Landesvorsitzender): “Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren.”

Diese Ablenkung von der wirklichen Schwäche der FDP ist fies. Nicht das Aussehen ihrer Mitglieder ist das Problem der FDP, sondern ihr Umgang mit der einstmals großen Idee des Liberalismus.

Vormoderne Sozialformenohne gepuderte Perücken

Donnerstag, 22. März 2012 - 10:14

Gestatten, mein Name ist Geldadel, Interview mit Sighard Neckel
(Titel der Druckausgabe, S.15: “Wir müssen die Jets auf den Boden holen”)
http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Finanzkapitalismus/!89976/

… Interessant ist aber auch, dass im globalen Finanzkapitalismus, der als hochmodern gilt und seit etwa 20 Jahren die globale Ökonomie bestimmt, vormoderne Sozialformen wiederkehren.

Zum Beispiel: Die Herkunft ist wieder absolut ausschlaggebend für die soziale Platzierung. Wir sehen, dass dieser Trend in Deutschland für alle, die nach 1960 geboren sind, extrem angestiegen ist. Die soziale Position und der Wohlstand werden buchstäblich vererbt, die Gesellschaft ist sozial undurchlässiger geworden. Der Finanzkapitalismus bringt zudem eine Oberschicht hervor, die wie der frühere Adel jeder gesellschaftlichen Konkurrenz enthoben ist. Dieser moderne Geldadel ist, anders als der bürgerliche Unternehmer, kein Gegner gesellschaftlicher Auseinandersetzungen mehr. Er steht nicht mehr im Konflikt mit anderen Klassen, die an seinem Reichtum teilhaben wollen. Das ist neu. …

… Um kein Missverständnis zu produzieren: Natürlich gibt es keine Rückkehr zum Adel mit gepuderten Perücken. Mit dem Begriff Refeudalisierung will ich verdeutlichen, dass es in der gesellschaftlichen Bewegung „nach vorne“ zugleich auch eine „zurück“ geben kann. Modernisierungen bringen nicht immer „Neues“ hervor, sondern führen häufig genug zur Wiederkehr älterer Muster unter veränderten Vorzeichen. …